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Aus „Unser Ostfriesland“, Ostfriesen-Zeitung vom 7. November 1991, Nr. 18, Seite 69, mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung freigegeben! |
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Das Wasser wurde gemahlen Mühlen in Riepe, Ochtelbur © Berend Kruse, Riepe († 20.07.2001 in Riepe) |
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In den Niederungsgebieten bei Riepe, und vor allem im Riepsterhammrich gab es früher etwa ab dem 18. Jh. Viele Wasserschöpfmühlen der verschiedensten Bauarten. Die meisten waren Holländer, Kokermühlen gab es nur zwei. Von der kleinsten Art, dem Flutter, gab es eine ganze Reihe, in den 20er und 30er Jahren waren es noch acht, die in Betrieb waren. Der Verfall der Mühlen begann schon zwischen den beiden Weltkriegen, in dieser Zeit entstanden die ersten Schöpfwerke. Nach 1945 ging der Verfall der Wasserschöpfmühlen rapide voran. Heute steht nur noch eine einzige, die Kokermühle auf dem Leegmoor, dieses Museumsstück ist wieder funktionsfähig. Nun zu den einzelnen Mühlen: Am Ortsausgang von Ochtelbur standen drei Mühlen (auf der Karte 1 bis 3), eine größere, die Donkensche Mühle, deren Achtkant ganz gemauert war. Die beiden kleineren, eine war eine Sechskantmühle, die Edo Schnell kaufte und bei seinem Haus in der Emder Straße wieder aufgebaut wurde. |
Flutter im Riepster Hammrich 1939, Archiv: Dietrich Janßen, Emden |
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Die Mühlen 5 bis 8 sorgten für die Entwässerung der Äcker (Flurbezeichnung für die südlich von Riepe gelegenen Ländereien). Daher auch der Name Ackermühle für die Nummer 8. Die Mühlen 13 und 14 standen „Auf den Enden“. Die Ohlingsche Mühle (13) stand direkt an der Dobbe, die Frielingsche Mühle (14) am Waskemeerzugschloot. |
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Nun zu den Riepsterhammicher Mühlen: Die Albert Bursche (Nr. 41) stand am Quiethauer in der Nähe der heutigen L1 bei der ersten Piepe (Brücke über den Quiethauer). Es war eine kleine Sechskantmühle ohne festen Unterbau auf sechs Pfählen errichtet. Sie ist in den 20er Jahren bei einem Gewittersturm im ganzen umgekippt und wieder in einem Stück aufgerichtet worden. Die meisten Mühlen im Hammrich, die fast alle nahe bei den Höfen standen, besaßen auch einen Mahlgang zum Kornmahlen, denn damals waren die Wege im Hammrich im Winter fast unpassierbar, es war unmöglich, die nächstgelegenen Kornmühlen mit Pferd und Wagen zu erreichen. Die Mühle Nr. 12, Jann Rewerts, gehörte zu einem Hof in Riepe. Sie entwässerte in den Wegschott-Graben. Eine Besonderheit an dieser Mühle war, dass sie auch einen Teil der Ländereien, die auf der Nordseite des Wegschottgrabens lagen, mit entwässerte. Um dies zu bewerkstelligen, war die Nordseite mit einem Düker mit der Mühle verbunden. Bei dieser Mühle stand auch ein Häuschen zum Aufenthalt für den Wassermüller (Wärter) der Mühle, wenn es erforderlich war, zu beaufsichtigen hatte. Diese Häuschen gab es auch bei anderen Mühlen, die von den Höfen weiter entfernt lagen. (Zusatz: Siehe auf Krummhörner Gebiet das restaurierte Wassermüllerhaus Loquard.) |
Wassermühle Ochtelbur |
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Zum Hof von Theodor Janßen gehörten zwei Mühlen, die Nr. 20 und 21. Die Nr. 20 besaß zwei Schrauben, eine große und eine etwas kleinere. Die kleinere lag etwas tiefer, sie musste das Restwasser, welches die große Schraube nicht erfassen konnte, wegmahlen. Diese Mühlen standen beim Hof auf der Südseite des Kapellen-Tiefs, die eine, die andere auf der Nordseite. Von Kapelle aus konnte man früher zur Barkmühle gelangen. Heute ist das nicht mehr möglich, da die Autobahn den Nordhammrich vom Südhammrich trennt. Die Barkmühle hat ihren Namen von ihrem Produkt erhalten. Dort wurde Bark, das ist Borke, Eichenrinde, zum Gerben gemahlen. (Zusatz: Siehe auch Emder Mühlengeschichte von Dietrich Janßen, Barckmühle auf der Schuhmacherwarf.) Von der Barkmühle gelangte man zum Petkumer Hammrich und zur Türkmühle (37). Auf Grovehörn stand eine große Mühle mit drei Schrauben (38). Nun zur Mühle am Waskemeer Nr. 39 Reemt Enninga. Sie war die einzige Wasserschopfmühle mit Windrose und Jalousieklappen. Sie bot als letzte Windmühle im Riepsterhammrich von der Oldersumer Straße aus einen malerischen Anblick. Leider wurde sie nach Völlnerfehn verkauft. |
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Spazierfahrt mit
Jan Dederichs zur Kokerwindmühle Leegmoor, 2007 |
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Kokerwindmühle Leegmoor 1939 |
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Nun noch einiges über das Egelster Grashaus Nr. 27 Evert Juister. Hier wurde auch mit der Mühle gedroschen. Zu diesem Zweck befand sich an der Mühle und am Haus ein sogenanntes Stachelrad.An Stelle eines Treibriemens lief über diese Räder zur Kraftübertragung ein Tau, eine Transmission sorgte für die Ingangsetzung der Dreschmaschine. Das Stachelrad bestand aus einer hölzernen Scheibe mit am Rand gespreizten eisernen Stacheln zur Führung des Siels. Der alte Juister war ein Original, erfindungsreich und immer zu scherzen aufgelegt. Es ist überliefert: Beim Dreschen drohte durch den immer stärker aufkommenden Wind einmal eine Katastrophe. Der alte Bauer stand zum Einlegen auf der Maschine und schwankte zwischen Aufhören, weil die Dreschmaschine immer schneller lief und auseinander zuspringen drohte, und dem Arbeitseifer, schnell noch die letzten Garben durchzulassen. Mit dem immer schnelleren Lauf beschleunigte er das Einlegen der Garben, ein Auge auf die Windmühle gerichtet und ein Auge auf die Dreschmaschine. Nach der letzten Garbe sprang er von der Maschine, rannte zur Mühle, um sie anzuhalten. Der an der Maschine mit tätige Arbeiter rief ihm noch nach: „Muss ich mitkommen?“ – „Nee“, weg war er. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Bauer zurückkam. Zu seinem Arbeiter sagte er nur: „Du lurst of ja wall neet na Kröpel off Kön´k, harst ja mitkomen musst.“ Damit war für ihn die Sache erledigt.Nun noch zur Kokermühle auf Leegmoor. Hier hat sich früher ein Meer befunden, an dem schon vor 300 Jahren eine Wassermühle gestanden haben soll. Die heute dort stehende Kokermühle ist auch schon älteren Datums. 1906 hat der Vater des jetzigen Besitzers die Mühle renoviert und auf einen gemauerten Unterbau gestellt. |
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Kokerwindmühle 1958, Aufnahmen Archiv: Dietrich
Janßen |
Kokerwindmühle 1958 |
Wasserschöpfmühle Rientje Buhr, Abbruch 1965. Die Mühle stand 300 m entfernt von der Kokerwindmühle. Foto 1958 |
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Mühlen: Flutter: 1. Klaas Donken Am Simonswolder Weg 2. Gerd Janssen 1. Lindena 3. Abbo Janssen 2. Botterkampen Geschw. Menken 4. Kornmühle Helmer Flessner 3. bis 6. Auf den Enden 5. Jann Wilts 3. Johann van Rhaden 6. Enne Hanken 4. Dirk Linnemann 7. Feuko Djuren 5. Eilert Buhr 8. Jann Damm (Ackermühle) 6. Jibbo de Bour 9. Kornmühle Eilert Burma 7. Am Quiethauer Johann Hicken 10. Kokermühle Hilwert Buhr 8. Im Hammrich 2 Tjard Gronewold 11. Klaas Ennen 12. Jann Rewerts 13. Paul Ohling 14. Theodor Frieling 15. Jann Weitz 16. Abbe Thesen Rewerts 17. Ewert Ubben 18. Peter Reininga 19. Johann Barth 20. Theodor Janssen 21. Theodor Janssen 22. Suntke Haneborger 23. Kokermühle Wiegbold Wurpts 24. Reentje Buhr 25. Hinrich Janssen 26. Ubbo
Frieling 27. Evert
Juister 28. Tjard
Gronewold 29. Tjard Gronewold 30. Peter Müller 31. Johannes Mescher 32. Eddo Enninga 33. Barkmühle Gerhard Damm 34. Sparringa 35. Adolf Wurpts 36. Berends 37. Enne Menken (Türkmühle) 38. Neelen Growehörn 39. Reemt Enninga Vaskemeer 40. Groenewold (Oldersumer Grashaus) 41. Albert Buhr |
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Zur Geschichte der Wassermühlen
Es ist wunderlich, dass den Chronisten des 18. und 19. Jahrhunderts die Vielzahl der Wasserschöpfmühlen im Riepster Niederungsgebiet so wenig aufgefallen ist, dass sie kaum oder keine Notiz davon genommen haben. Wenn auch keine Hauptstraße durch dieses gebiet führte, so hätten doch die Passagiere der Schuten auf dem Treckfahrtsweg und später aus dem Kutschfenster von der Straße Oldersum – Riepe – Aurich die Mühlen wahrnehmen müssen. Vielleicht war das ein zu alltägliches Bild. Der Verfasser des nebenstehenden Beitrags, der Riepster Berend Kruse, hat jetzt noch 41 Standorte einstiger Wasserschöpfmühlen und von 8 Fluttern ermittelt und diese in die Topografische Karte 1:25 000, Ausgabe 1955, eingezeichnet. |
Im
Riepster Hammrich 1957 |
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Der im August dieses Jahres gestorbene Mühlenkenner Gerd Saathoff nennt für das große Meer einen Wasserschöpfmühlenbestand von über 250. Amtmann C. H. Stürenburg bemerkt in seiner 1755 verfassten Beschreibung des Amtes Aurich über die Vogtei Riepe: „Seit der Königlichen Regierung sind sowohl in dem Riepster Hammrich, als auch selbst in der Riepe, verschiedene Wassermühlen gebauet worden, zur besseren Abwässerung und Austrocknung der niedrigen Ländereien.“ Aus Stürenburgs Hinweis könnte gefolgert werden, dass in der Vogtei Riepe vor dem Auftreten Preußens (1744) keine oder nur wenige Wassermühlen gestanden haben. Tatsächlich sind auf der Flurkarte des Reihendorfes Riepe von Regemort aus dem Jahre 1670 keine Wassermühlen verzeichnet. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts betrieb der Regierungsdirektor Sebastian Eberhard Jhering (1700 – 1759) durch die Trockenlegung der Binnenmeere und Abtorfung der Moore Innenkolonisation. Sein Eifer begegnet den gleichen Bestrebungen des Preußenkönigs in der Urbarmachung preußischer Lande, wovon Ostfriesland ab 1744 ein Teil gewesen ist. Die Mittel für diesen Zweck waren bescheiden, allein die Tatkraft und Initiative der beamten zählte. Ziemlich ausführlich berichtet über die Anwendung der Wasserschöpfmühlen Dr. Theodor Janßen in der „Gewässerkunde Ostfrieslands“ 1967, der im folgenden einige Angaben entnommen sind. Der erste Versuch zur Trockenlegung des Freepsummer Meeres durch ein holländisches Unternehmen im Jahre 1664 war fehlgeschlagen. Das Freepsumermeer, Reidermeer und Uhlsmeer (bis –2 m NN.) wurden dann im 18. Jahrhundert mit Wassermühlen trockengemahlen. Es folgten 1740 das Große (30 ha) und das Kleine (14 ha) Wiesedermeer, das Ottermeer und Flachsmeer. Jhering hatte seine landeskundliche Aufgabe auch im Riepster Niederungsgebiet gefunden. Zeigte doch die Karte von Johann Baptist Regemorti in den Jahren 1669 bis 1680 Spezialist für Vogteikarten, in der Vogtei Riepe (Riepster Hammrich) 26 Binnenmeere, die zur Kultivierung einluden. Inzwischen war im 18. Jahrhundert die Anwendung der Schneckentechnik in Verbindung mit Windmühlen ausgereift, so dass Fehlinvestitionen auszuschließen waren. Auf den Gedanken, bei dem Griechen Archimedes (-285 bis-212) in Syrakus nachzufragen, scheinen die Ostfriesen nicht gekommen zu sein. Dort und in Ägypten liefen die Archimedischen Schrauben zur größten Zufriedenheit der Schöpfwerksbetreiber. Die vermutlich ersten beiden Entwässerungsmühlen im Riepster-Gebiet haben an dem unter den drei Namen bekannten Türk-, Jherings- oder Menkemeer gestanden. 1775 setzte Jherings Sohn mit der Trockenlegung des Schmalen und des Vaske Meeres das Werk seines Vaters fort. Die Riepster Niederungen entwässerten über Kapellentief, Bansmeer, Stinkende Riede ins Fehntjer Tief; durch das Oldersumer und das Petkumer Siel in die Ems, früher aauch über das Bansmeer zum Uphuser Meer und zum Roten Siel in Emden. Mit der Erfindung des Dieselmotors und der elektrischen Stromversorgung war die Verwendung der Windenergie wegen ihrer unzuverlässigen Verfügbarkeit samt der Mühlenromantik, die, wie es scheint, auf die Wassermühlen nicht übertragen wurde, mit einem Schlag zu ende. Begleitet wurde die Entwicklung mit dem Bau der großen Schöpfwerke an der Ems und Dollart. Wenn kein Wind wehte, konnte auch kein wasser gemahlen werden. Heute wird im Zuge der Wasserbeherrschung, sofern es Wasserstände gebieten, gepumpt, ein paar Zwischenschöpfwerke beschleunigen den Wasserabzug aus dem Niederungsgebiet von dem durch Überschlickung erhöhten Land. rt |
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